Wenn Fehlermanagement fehlt: Sicherheitsdefizite und Organisationsfehler im Kontext des Sparkasseneinbruchs Gelsenkirchen
Ein wirksames Fehlermanagement-System hätte das Ziel, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren, Risiken zu priorisieren und präventive Maßnahmen verbindlich umzusetzen. Es versteht Fehler nicht als einmalige Abweichungen, sondern als Indikatoren für strukturelle Defizite in Prozessen, Zuständigkeiten und Sicherheitskonzepten. Gerade in sicherheitskritischen Bereichen wie dem Bankbetrieb ist ein solches System essenziell, um aus Beinahe-Vorfällen, bekannten Risikophasen (z. B. Feiertagszeiträumen) und externen Erkenntnissen vergleichbarer Delikte zu lernen.
- Unzureichende Absicherung angrenzender Gebäudestrukturen (Parkhaus, Keller, Nebenräume).
- Fehlende bauliche Trennung mit gleichwertigem Sicherheitsstandard zwischen Tresorbereich und angrenzenden Räumen.
Bewertung: Die Täter konnten das Gebäude nicht über den Haupteingang, sondern über ein benachbartes Parkhaus erreichen. Dies deutet darauf hin, dass bei der Sicherheitsplanung der Fokus primär auf den Tresor selbst gelegt wurde, nicht jedoch auf mögliche indirekte Angriffswege. Eine ganzheitliche Perimetersicherung war offenbar nicht vorhanden oder nicht ausreichend.
- Reduzierte Präsenz von Personal, Sicherheitsdiensten und Kontrollen während der Weihnachtsfeiertage.
- Keine erkennbar verstärkten Sicherungsmaßnahmen für einen Hochrisikozeitraum.
Bewertung: Der Tatzeitraum war für die Täter strategisch günstig. Feiertage gelten als bekannte Risikophasen, in denen Reaktionszeiten länger und Kontrollintervalle seltener sind. Das Fehlen zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen stellt einen organisatorischen Fehler dar.
- Keine oder unzureichende Alarmierung beim unbefugten Betreten von Neben- oder Kellerbereichen.
- Mögliche blinde Bereiche in der Videoüberwachung oder fehlende Live-Überwachung.
Bewertung: Die Täter konnten sich offenbar über längere Zeit im Gebäudeinneren bewegen, ohne unmittelbar entdeckt zu werden. Dies weist auf Defizite bei Bewegungsmeldern, Zutrittskontrollen oder der kontinuierlichen Überwachung nicht-öffentlicher Bereiche hin.
- Fehlende oder unzureichende Körperschall-, Erschütterungs- oder Bohrdetektoren an angrenzenden Tresorwänden.
- Tresorraum baulich zwar massiv, aber nicht vollständig gegen seitliches oder rückwärtiges Eindringen gesichert.
Bewertung: Der entscheidende sicherheitstechnische Fehler lag darin, dass der Tresorraum offenbar nur frontal geschützt war. Moderne Einbruchsmethoden setzen gezielt auf das Durchdringen von Seitenwänden. Ohne aktive Sensorik konnten die Täter über einen längeren Zeitraum mit Spezialwerkzeug arbeiten.
- Keine automatische Alarmkette bei systematischem Öffnen einer großen Anzahl von Schließfächern.
- Keine zeitbasierte Eskalation bei ungewöhnlich langer Aktivität im Tresorraum.
Bewertung: Dass mehrere Tausend Schließfächer geöffnet werden konnten, deutet auf das Fehlen eines intelligenten Überwachungssystems hin, das ungewöhnliche Muster (Menge, Dauer, Geräuschpegel) erkennt und automatisch reagiert.
- Die Tat wurde nicht durch Einbruch- oder Tresoralarme, sondern erst durch einen Brandmeldealarm entdeckt.
- Mögliche Fehlinterpretation oder verspätete Reaktion auf erste Warnsignale.
Bewertung: Die Entdeckung erfolgte zufällig und nicht durch die primären Sicherheitssysteme. Dies zeigt eine unzureichende Priorisierung der Einbruchserkennung gegenüber sekundären Systemen wie dem Brandschutz.
- Keine unmittelbare Lokalisierung oder Verfolgung trotz offensichtlicher Fluchtbewegungen.
- Fehlende oder nicht vernetzte Kennzeichenerfassung im Umfeld.
Bewertung: Die Täter konnten mit einem Fluchtfahrzeug entkommen. Eine stärkere Vernetzung mit externer Videoüberwachung (z. B. Parkhäuser, Zufahrtsstraßen) hätte die Chancen einer zeitnahen Fahndung erhöhen können.
- unvollständige bauliche Absicherung,
- fehlende Sensorik gegen moderne Angriffsmethoden,
- organisatorische Schwächen während eines Hochrisikozeitraums,
- und eine verspätete Entdeckung durch ungeeignete Alarmsysteme.
Erst das Zusammenwirken dieser Fehler ermöglichte den außergewöhnlich hohen Schaden.
